Der 20-jährige Westfale hatte sich am Bein verletzt und laborierte an einer nachfolgenden Entzündung. Die anfängliche Freude, das nette Pferd wieder zu sehen, wich bald in Traurigkeit. Die Entzündung war sehr schlimm und er musste heftige Schmerzen haben. Eine intensive Behandlung im Stall des Besitzers war nicht möglich. Die Chancen für Fritzi, wieder gesund zu werden, würden größer sein, wenn er bei uns zu Hause wäre. So entstand die Idee, dass er nach Westendorf ziehen sollte. Ich habe zwar ein großes Wohnzimmer, aber keinen Pferdestall! Also, wo sollte Fritzi wohnen ? - Vielleicht gab es eine Möglichkeit bei den Nachbarn ?... Nach einem intensiven Gespräch mit ihnen wurde beschlossen, das Carport des Nachbarn vorübergehend zu einem Pferdestall umzufunktionieren. Am selben Tag noch begannen wir ( 2 Familien, 3 Generationen, insgesamt 9 Leute ), mit dem „Umbau“ und 2 Tage später war es dann so weit! Am Samstagmorgen kam Fritzi in sein neues Zuhause. Die Aufregung war groß, die Freude unbeschreiblich. Alle waren da, um ihn zu begrüßen. Sieben Leute kümmerten sich abwechselnd fast rund um die Uhr um ihn. Selten war er alleine. Mit seinem Charme, seiner Gutmütigkeit und Freundlichkeit eroberte er sofort unsere Herzen. Abgesehen von der intensiven medizinischen Therapie bekam unser großer Wallach unendlich viel Pflege, Streicheleinheiten, Zuneigung und Liebe. Er war vom ersten Tag an der absolute Mittelpunkt. Ging es ihm schlechter, machten wir uns gegenseitig wieder Mut und Hoffnung. Begeistert nahmen wir jeden kleinen gesundheitlichen Fortschritt wahr und mit Argusaugen wurde die Gewichtszunahme verfolgt. Sogar der kranke Uropa spazierte regelmäßig zum Stall, um ihn zu besuchen. Auf einmal wurde eifrigst Reitunterricht genommen und so mancher von uns träumte von einem gemeinsamen Ausritt mit unserem Vierbeiner. Nicht nur wir alle genossen Fritzis Anwesenheit, auch er fand Gefallen an der Zuneigung, die ihm zuteil wurde. Pläne wurden bereits geschmiedet, wie der vorhandene Schafstall zu Fritzis Winterunterkunft adaptiert werden sollte. Nach 3 ½ Wochen verschlechterte sich plötzlich sein Gesundheitszustand massiv. Unendlich traurig endete der gemeinsame Weg mit unserem lieben Freund. Dennoch schienen diese wenigen Tage wie Jahre des Zusammenseins, als wäre Fritzi immer schon ein Teil unseres Lebens gewesen. Wenn uns auch sein Tod sehr schmerzte und betrübte , sind wir alle überaus dankbar für diese gemeinsame Zeit. Nicht nur die Erfahrung, wie innig eine Tierfreundschaft empfunden und gelebt werden kann, auch die weiter reichenden absolut positiven Auswirkungen bereicherten uns. Wie schnell und intensiv sich z.B. eine äußerst liebe Freundschaft zu Menschen entwickeln kann, mit denen man „vorher“ nur gelegentlich einige Worte gewechselt hat. Wie wichtig der Zusammenhalt ist und wie viel gemeinsam erreicht werden kann. Unser Fritzi wird immer in unseren Gedanken weiterleben. Er war und ist einzigartig !
Ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2012 wünscht Mag.
Jutta Strele
Mehr Informationen rund um Tier und Gesundheit finden Sie auf: www.tierarztpraxis-strele.at
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